Bei Kindern und Jugendlichen sind Turbulenzen in der Entwicklung oder das Nichterfüllen von Erwartungen ein normaler Bestandteil des Grosswerdens. Vorübergehende Schwierigkeiten von einem langfristig ungünstigen Verlauf zu unterscheiden, ist allerdings alles andere als einfach. Normative Vorstellungen der Gesellschaft und, damit einhergehend, die zunehmende Vergabe psychiatrischer Diagnosen sind da nicht unbedingt eine Hilfe. Ich denke und arbeite entwicklungsorientiert: Jede Unterstützung, die ich anbiete, orientiert sich daran, welche Entwicklungsaufgaben gerade wichtig sind und wie wir sie zusammen voranbringen können.
Jede Arbeit bei mir beginnt mit einer sorgfältigen Klärung der bestehenden Probleme und Anliegen. Ein gemeinsames, fundiertes Verstehen ist der Ausgangspunkt, um zusammen die beste Unterstützung zu finden.
In der Regel kommen zuerst die Eltern als anmeldende Bezugspersonen zu mir. Darauf folgen einige Sitzungen mit dem Kind / Jugendlichen. In dieser Phase arbeiten wir an der Klärung verschiedener Fragen: Was sind die aktuell dringlichsten Probleme? Welche Art von Unterstützung ist sinnvoll? Welche Veränderungswünsche gibt es bereits, welche lassen sich entwickeln? In einem Auswertungsgespräch erörtern wir die Antworten auf transparente Weise und besprechen das weitere Vorgehen.
Die hier geschilderte Untersuchung führe ich i.d.R. nur durch, wenn ich bei Bedarf auch Platz für eine Psychotherapie anbieten kann. Diese ist aber immer nur eine unter mehreren Möglichkeiten.
Psychotherapie eröffnet Auswege aus festgefahrenen Mustern und Isolation. Auf der Basis einer stabilen Beziehung hilft sie, innere Zustände besser zu erfassen, Gedanken und Gefühlen auf den Grund zu gehen. Dies erlaubt, eigene Überzeugungen zu hinterfragen und andere Umgangsformen mit Konflikten zu entwickeln.
In der psychoanalytischen Psychotherapie entfaltet sich ein einzigartiger Beziehungsraum, auf dem die gemeinsame Arbeit aufbaut. In ihm findet das Kind bzw. die Jugendliche Platz für die eigenen Themen. Je nach Alter und Bedürfnis sprechen wir, zeichnen oder tauchen in phantasiegeleitetes Spiel ein – was immer sich eignet, um dem Erleben, Gedanken und Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Als Analytiker folge ich allen verbalen und nonverbalen Äusserungen und versuche Kontakt zur Innenwelt herzustellen.
Viele denken: "Der Therapeut weiss schon alles!" Aber das ist falsch. Wie Weltentdecker oder Wissenschaftler ergründen wir das Innere gemeinsam. Wir suchen Sinn hinter Erlebens- und Verhaltensweisen und konstruieren eine Ordnung. Das gelingt am besten, indem wir uns mit dem beschäftigen, was gerade zuvorderst ist. Deshalb bleiben die Psychotherapiestunden frei von Themen-Aufträgen Aussenstehender.
Um nachhaltige Veränderungen zu erreichen, braucht Psychotherapie Zeit. Sie findet regelmässig und verbindlich an einem festen Termin statt, in der Regel einmal pro Woche, bei Bedarf auch häufiger. Die Dauer liegt durchschnittlich bei 2-3 Jahren, ist aber nicht vorab festgelegt. Wir orientieren uns an den gesteckten Zielen, das Tempo der Entwicklung ist individuell verschieden.
Mit Coaching bezeichne ich die Arbeit an einer spezifischen Entwicklungsaufgabe. Der Fokus ist dabei enger als in einer Psychotherapie. Das Ziel besteht in der Überwindung einer konkreten Blockade oder Fragestellung. Coaching begleitet und unterstützt diesen Prozess, in der Regel für eine begrenzte Zeit. Auch die Abstände der Sitzungen können grösser sein.
Coaching ist sinnvoll, wenn das Problem nicht allzu gravierend und eine weitgehend eigenständige Entwicklung aussichtsreich ist. Wenn es später einmal weitere Unterstützung braucht, kann man sich wieder melden.
Elternberatung besteht in fortgesetzten Gesprächen, idealerweise mit beiden Elternteilen und in einem festen Rhythmus (z.B. alle zwei Wochen). Anhand von aktuellen Problemsituationen erarbeiten wir ein vertieftes Verstehen für das innere Erleben, das dem Verhalten des Kindes bzw. Jugendlichen zugrunde liegt. Auch die eigenen Gefühlen und Reaktionsmuster bekommen Raum.
Elternberatung bewirkt und fördert eine Vielzahl von Entwicklungen. Der Austausch schafft Abstand bei konflikthaften Beziehungen und eingefahrenen Dynamiken. Echtes Verstehen entlastet von Druck und negativen Gefühlen, schafft Raum für Empathie. Problematische Positionen können hinterfragt, konstruktive Positionen gestärkt werden.
Im Alltag entwickelt sich die Kommunikation. Es wird einfacher, schwierige Themen anzusprechen. Interventionen werden präziser und wirksamer. Neue Möglichkeiten, Probleme zu Hause konstruktiv anzugehen, stärken das Selbsterleben als kompetente Eltern. Auch dem Kind eröffnen sich in der Folge neue Entwicklungswege.
Elternberatung ist sinnvoll, wenn das Bedürfnis besteht, das Kind, sich selbst als Eltern und die gemeinsame Beziehung besser zu verstehen. Sie bietet eine Chance zu Veränderung, wenn das Kind therapeutische Hilfe bräuchte, aber für sich ablehnt. (Sie bedeutet nicht, dass die Eltern die bestehenden Probleme verursacht hätten!)